Digitale Kunst zum Befreiungstag am 8. Mai 2022

Kunst zum Befreiungstag

English version here | Das Ende des Zweiten Weltkriegs ist tief im Weltgedächtnis verankert. Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht. Wir als Deutsche stehen in einer besonderen Schuld und Verantwortung, aus unserer Geschichte heraus Frieden und Freundschaft zu stiften. Mit dem Ukrainekrieg haben die Gedanken und Gefühle dazu nun eine neue Dimension erhalten. So hatten Jan-Christian Petersen und die Humanistische Initiative eingeladen, Erfahrungen von Menschen in Geschichte und Gegenwart fassbar zu machen:

Kazimierz Grabowski – Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter, Befreiter

Barbara R. Grabowski ist Sängerin. Ihr Vater Kazimierz, der beim Warschauer Aufstand gegen die Nazis kämpfte, wurde als Zwangsarbeiter nach Salzgitter verschleppt. Im April 1945 wurde er von den Amerikanern befreit. In ihrem musikalischen Videobeitrag ehrt die Gesangsdozentin ihren Vater, der 2020 im Alter von 95 Jahren verstarb.

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„Mein Vater war 1925 in Warschau zur Welt gekommen. Er kämpfte als junger Mann gegen die Nazis. Sein Bruder starb bei den Partisanen. Er selbst wurde beim Warschauer Aufstand angeschossen, verhaftet und schließlich als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt, wo er im Stahlwerk in Salzgitter schuften musste. Er hat mir Geschichten aus dieser Zeit erzählt, die immer schwer vorstellbar und kaum zu verkraften waren. So sabotierten die Zwangsarbeiter nachts die Ausrüstung. Wer dabei erwischt wurde, hing am nächsten Morgen am Förderband an der Decke und wurde da zur Abschreckung exponiert. Mein Vater hatte Glück. Auch durfte er irgendwann im Freien arbeiten, wo ihm auch andere Deutsche begegneten, Menschen, die einen Apfel oder ein Stück Brot über den Zaun warfen. Am 10. April 1945 wurde er dann von den Amerikanern befreit. So zumindest lautet das Datum in seinen Erzählungen.“

Barbara R. Grabowski lebt in Mannheim. Sie ist Teil des SALONkollektivs. Es besteht unter anderem aus dem Künstlerduo LABOR:HACE, von dem das Bildmaterial im Video stammt. Dazu gehört auch Barbaras Trio Kalliope. Im Video vertonen die drei Künsterinnen ein Lied von Johannes Brahms mit einem Text von Klaus Groth.


Ukraine – Befreiung vom Krieg ist unser Wunsch!

„Putin startet Fortsetzung des Kalten Kriegs“ (New York Times, 24.2.2022)

Natasha Butler Ukraine

Ähnliche Meinungen wie die der New York Times fanden sich Ende Februar in allen Medien der USA. „Einige Menschen leben noch immer hinter der Berliner Mauer“, kommentiert Natasha Butler aus Baltimore, Maryland, USA ihr unten aufgeführtes Kunstwerk. Sie hat selbst russische Wurzeln. „Nicht alle haben es geschafft, diese mentale und politische ‚Berliner Mauer‘ zu überwinden“, betont die Analystin, die im öffentlichen Dienst tätig ist. „Meine Mutter ist in einem kleinen ukrainischen Dorf aufgewachsen und ihre Gedanken sind tief auf der anderen Seite dieser mentalen Kluft verankert. Dabei sehnen sich junge Ukrainerinnen und Ukrainer, aber auch viele Russen danach, in der westlichen Geisteswelt zu leben. Sie richten mit großer Hoffnung ihren Blick auf alle Lücken, die sie in der ‚Mauer‘ finden können.“

Oben: Natasha Butler; „Some People Are Still Behind The ‚Berlin Wall'“; Baltimore, Maryland, USA; 2022


Dorothea Ginolas – Exil der Kinder

4,8 Millionen ukrainische Kinder sind auf der Flucht (FAZ/Unicef, 14.4.2022)

Dorothea Ginolas widmet sich dem Exil der Kinder, das Unicef beschreibt. Die Illustratorin und Autorin aus Uetersen, Schleswig-Holstein hat sich bereits in ihrem Kinderbuch „Die Geschichte von Samira und Lotte – eine Geschichte über Flucht und Ankommen“ mit den Fluchtströmen 1945 in Deutschland und mit dem syrischen Exil 2015 befasst. Heute steht für sie das Leid der ukrainischen Kinder im Vordergrund:

Dorothea Ginolas, Exil der Kinder, Uetersen, 2022


Mark C. Marino – „Ukraine“ Auszug aus seinem Coronation Webcomic

Mark C. Marino schreibt mit seiner Familie seit 2020 an einem fortlaufenden Web-Comic. Als Russland die Ukraine am 24. Februar angriff, hat die Familie quasi in Echtzeit den Bruch im Leben der Menschen festgehalten, aber auch die wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Idee zu dem Web-Comic war dem Leiter des Labors für Humanities and Critical Code Studies an der University of Southern California während des Corona-Ausbruchs gekommen, um der Isolation entgegenzuwirken.

Mark C. Marino & Family; Ukraine (Auszug aus dem Coronation Webcomic, Band 38; 2022)

Danksagung

Digitale Kunst zum Befreiungstag 2022 wurde von Jan-Christian Petersen  für die Humanistische Initiative entwickelt und umgesetzt. Das Projekt hat hilfreiche Unterstützung erfahren von: Initiativkreis Gedenktag 8. Mai SH; Datenschleuder (Magazin des Chaos Computer Club); Heinrich-Böll-Stiftung SH; Humanistischer Pressedienst (hpd), Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten.